Rabbinat Nachrichten
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Pessach, ein Fest der schwierigen Fragen
Es gibt diesen Moment, den Kinder durchlaufen, wenn sie beginnen zu fragen: „Warum?“
Mein dreijähriger Sohn ist seit fast einem Jahr in dieser Phase, und als Elternteil merkt man schnell: Das Kind erwartet gar keine Antwort, die es wirklich zufriedenstellt. Es geht einfach darum zu fragen „warum?“
Und ich habe mich dabei ertappt, selbst zu fragen: warum?
Mein dreijähriger Sohn ist seit fast einem Jahr in dieser Phase, und als Elternteil merkt man schnell: Das Kind erwartet gar keine Antwort, die es wirklich zufriedenstellt. Es geht einfach darum zu fragen „warum?“
Und ich habe mich dabei ertappt, selbst zu fragen: warum?
Bis mich jemand auf etwas Bemerkenswertes aufmerksam gemacht hat. Ein so kleines Wort, warum, kann einen Erwachsenen endlos verunsichern. Es setzt uns in Bewegung, aktiviert uns, erschöpft uns.
Das ist die aussergewöhnliche Kraft der einfachen, unschuldigen Frage – eine Kraft, die wir im Laufe der Zeit oft verlernen.
Das ist die aussergewöhnliche Kraft der einfachen, unschuldigen Frage – eine Kraft, die wir im Laufe der Zeit oft verlernen.
Pessach ist ein Fest der Fragen. Vielleicht ist es das einzige Fest, in dem wir uns nicht dafür schämen, nicht zu wissen – im Gegenteil, wir feiern es.
Pessach ist ein Fest der Fragen. Eine Frage zu stellen erfordert Mut – den Mut, nicht zu wissen, innezuhalten, die Aufmerksamkeit zu verschieben, etwas Unbekanntes zu berühren, vielleicht sogar etwas Schmerzhaftes.
Pessach ist ein Fest der Fragen. Um eine Frage zu stellen, muss man offen sein – wirklich hinsehen auf die Welt, auf das, was sich um uns herum entfaltet, und sich davon berühren lassen. Eine Frage entsteht aus Interesse und Aufmerksamkeit.
Pessach ist ein Fest der Fragen. Auch wir Menschen sind ein Fragezeichen, wir selbst sind es. Wir verstehen nicht immer die anderen, und oft verstehen wir nicht einmal uns selbst.
Pessach ist ein Fest der Fragen. Und eine Frage trägt beinahe eine nukleare Energie in sich. Ein kleines Wort, ein gebogenes Ausrufezeichen, kann eine Reise eröffnen, die ein ganzes Leben dauert. Eine einzige Frage kann Richtungen verändern, Annahmen erschüttern, die Art zu sehen grundlegend wandeln.
Pessach ist ein Fest der Fragen. Und so sitzen wir nicht an einem Tisch mit einer einzigen Antwort, sondern lesen von vier Geschwistern. Nicht alle stellen dieselbe Frage, nicht alle fragen auf dieselbe Weise und doch ist der Tisch einer. Die Familie ist eine.
Pessach ist ein Fest der Fragen. Fragen und Fragen zuzulassen, bedeutet, einander Raum zu geben. In der Spannung zwischen einer ernsthaften Frage und ihrer Antwort zu verweilen. Fragen sollen uns nicht trennen. Niemand sollte Angst haben zu fragen. Gemeinsam zu fragen macht uns zu einer Familie, zu einer Gemeinschaft.
Pessach ist ein Fest der Fragen. Und der Tisch ist weit genug für alle Fragen der Welt.
Kuschijot– Fragen auf Hebräisch, teilen ihre Wurzel mit kasche: dem, was schwer ist. Eine echte Frage tröstet nicht. Sie beunruhigt, drängt, besteht. Sie fordert uns heraus. Und doch werden wir, indem wir sie gemeinsam stellen widerstandsfähig. Stark genug, dass uns keine Frage zerbricht.
Pessach ist ein Fest der Fragen. Geben wir auch den schwierigsten Fragen ihren Platz- am Tisch, innerhalb der Familie. Und solange wir gemeinsam am Tisch sitzen, bleiben wir standhaft, offen für die Bewegung, die sie in uns auslösen.
Eure,
Rabbi Avigail
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